1. Staatsschloss Vimperk 

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Die Geschichte des Schlosses von Vimperk reicht bis in die Hälfte des 13. Jahrhunderts zurück, als eine auf dem Felsen über dem Tal ragende Burg gegründet wurde. Am Anfang handelte es sich um eine königliche Burg (wahrscheinlich vom König Přemysl II. Otakar gegründet), die zur Aufgabe hatte, Wanderer und Geschäftsleute am Goldenen Steig zu schützen. Im Mittelalter war der Goldene Steig die wichtigste Handelsverbindung zwischen den böhmischen und den deutschen Ländern und verhalf den Orten entlang seiner Strecke zu Wohlstand. Gerade wegen diesem Wohlstand und Reichtum wurde der Steig als „golden“ benannt – der wichtigste transportierte Bodenschatz war jedoch kein Gold, sondern Salz.

Kurz nach ihrer Gründung erhielt die Burg Purkart von Janovice, Mitglied der königlichen Gefolgsschaft, als Lehen. Es handelte sich um die erbliche Verleihung der Burg vom König, der auf diese Weise seine Gefolgschafter oft belohnte. Die Lehensmannen erhielten neben einem verliehenen Land auch andere Privilegien, verpflichteten sich aber dem König gegen Dienst (meistens Kriegsdienst). Unter der Lehenschaft stand die Burg von Vimperk das ganze 14. Jahrhundert – nach den Herren von Janovice waren ihre Lehensmannen auch  Bavorové von Strakonice oder der Prager Bürger Jan Rothlöw (Rotlev).

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Im unruhigen 15. Jahrhundert befand sich die Burg, von der Lehenschaft befreit, im Besitz des Geschlechts Kaplířové von Sulevice. Zu dieser Zeit war die Burg ziemlich weiträumig – sie umfasste zwei Türme, Befestigung sowie einige Paläste. Kaplířové von Sulevice setzten in dieser unsicheren Zeit die Befestigung der Burg und der Stadt fort – gerade sie verbanden die Burg und die Stadt zu einem leichter verteidigbaren Komplex und sorgten auch für den Bau der vorgeschobenen Befestigung Haselburg. Um das Jahr 1470 verwaltete die Burg ein Verwandter des Geschlechts Kaplířové von Sulevice – der damaligeberühmte Krieger Václav Vlček von Čenov. Der älteste Turm des Schlosses von Vimperk trägt bis heute seinen Namen.

Im folgenden Jahrhundert wechselten die Besitzer der Burg öfter. Nach dem Geschlecht Malovcové von Chýnov kamen zwei berühmte Geschlechter mit der fünfblättrigen Rose im Wappen – die Herren von Hradec und von Rožmberk, die in den Pestzeiten in Vimperk gerne verweilten. Gerade im 16. Jahuhundert wurde die Burg höchstwahrscheinlich zu einem Renaissanceschloss umgebaut, an der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert wurde dann das Untere Schloss im ehemaligen Burgvorfeld erbaut. Mehrere bauliche Änderungen lassen sich jedoch bisher nicht genau datieren.

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Im Jahr 1601 kaufte das Schloss Volf Novohradský von Kolovraty von Petr Vok von Rožmberk, der schwer verschuldet war. Volf und sein Sohn Jáchym realisierten umfangreiche Renaissanceumbauten mit wunderschönen Verzierungen, mit denen das Schloss bis heute prahlt. Die Renaissance-Malereien im Oberen sowie Unteren Schloss und vor allem die gemalten Decken stellen ein wunderschönes historisches Vermächtnis der Herren Novohradští von Kolovraty dar. Der Schlossumbau war jedoch auch im 17. Jahrhundert eine kostspielige Sache, so verkaufte Jáchym Novohradský von Kolovraty im Jahr 1630, unter einem langfristigen Druck der Gläubiger, das Schloss von Vimperk an das Geschlecht Eggenberg.

Die Herren von Eggenberg verweilten vor allem in Krumau und kamen nur selten nach Vimperk. Sie hatten an ihrer abgelegenen Herrschaft wenig Interesse, deshalb wurden bis zum Ende des 17. Jahrhunderts nur einige von Jáchym Novohradský von Kolovraty begonnenen Arbeiten vollendet, sonst wurden am Schloss nur kleine Wartungsarbeiten durchgeführt. Aber auch die Eggenberger leisteten schließlich ihren wichtigen Beitrag zur Schlossgeschichte. Aus der Zeit, als sie das Schloss im Besitz hatten, stammt seine älteste Abbildung – ein Bilddes Eggenberger Hofmalers Heinrich de Veerle, das ins Jahr 1686 datiertist.

Im Jahr 1719 kauften das Schloss die Herren von Schwarzenberg, sie waren das letzte adelige Geschlecht in der Liste der Schlossbesitzer. Im Laufe des 18. Jahrhunderts führten sie mehrere Umbauten im Barockstil durch, die größten kamen aber erst um ein Jahrhundert später. Am 20. Juli 1857 brannte das Obere Schloss nach einem Blitzschlag fast völlig nieder. Obwohl sämtliche Angestellte der Herrschaftsverwaltung und hunderte Stadtbürger versuchten, den Brand zu löschen, gelang es ihnen erst nach einer Woche – am 27. Juli. Die Erneuerungsarbeiten nach dem Brand waren umfangreich – in Asche lagen unter anderem alle Dächer des Oberen Schlosses, Decken einiger Stockwerke, usw. In der damaligen Zeit wurde das Schloss nicht mehr zu

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repräsentativen Zwecken genutzt, sondern nur als Sitz der Verwaltung der Schwarzenberger Herrschaft. Der Brand vollendete dann diese Nutzungsänderung. Statt Salons und prunkvollen Schlafzimmer würde man deshalb im 19. Jahrhundert im Schloss eher Wohnungen der Schwarzenberger Beamten finden.

Im Jahr 1947 wurde das Vermögen (uns deshalb auch das Schloss von Vimperk) der Frauenberger Linie der Familie Schwarzenberg aufgrund des anrüchigen Gesetzes „Lex Schwarzenberg“ enteignet. Im Schloss wurden Büros der Südböhmischen Staatsforste sowie Wohnungen für ihre Beamten errichtet. Seit 1961 dient ein Teil des Schlosses dem Stadtmuseum – das Museum gibt es bisher im Schloss, in der heutigen Zeit heißt es „Muzeum Vimperska“.

Im Jahr 1991 kaufte das Schloss das Umweltministerium und nutzte es als den Sitz der Verwaltung des Nationalparks und des Landschaftsschutzgebiets Šumava. Der Nationalpark plante einen umfangreichen Umbau des Schlosses, deshalb mussten alle Mieter allmählich wegziehen, und die Büros wurden in die Stadt verlegt. Angesichts der Tatsache, dass der Umbau nicht realisiert wurde, fing eine zwanzigjährige Epoche des Verkommens und der ungenügenden Pflege an, die ihren Höhepunkt in der Erklärung über die Unnötigkeit des Schlosses (für das Umweltministerium) erreichte. Im Jahr 2010 wurde das Schloss zum Nationalkulturdenkmal erklärt. In einem vernachlässigten Zustand übernahmes im Jahr 2015 das Nationaldenkmalamt, das mit seiner Renovierung begann. Trotz seines unguten Zustands bleibt das Schloss interessant und wertvoll, deshalb ist er unserer Aufmerksamkeit wert!

Autorin: Mgr. Lucie Budirská, Nationaldenkmalamt


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